Millionen-Deal: Ströer-Chef Udo Müller ist jetzt Eigentümer einer Mülldeponie

Die Liste der Deponieprojekte im Land Brandenburg wird immer länger und die Palette an Investoren bunter. Seit kurzem ist auch Udo Müller, Chef des Medienkonzerns Ströer, Eigentümer einer Mülldeponie in der brandenburgischen Provinz.

Anlageobjekt Mülldeponie: In diese Grube in Alt Golm hat Stöer-Chef Udo Müller investiert.

Erst Anfang dieses Jahres hat die Deponie in Alt Golm, einem Ortsteil der Gemeinde Rietz-Neuendorf, südlich von Fürstenwalde (Landkreis Oder-Spree) den Betrieb aufgenommen. Sie bietet noch viel Platz für viel Müll. Das macht sie lukrativ. Denn der Bedarf an Deponieraum im Land Brandenburg ist groß und wird auch weiter wachsen, wie ein Ingenieurbüro in einer Studie errechnet hat. Alt Golm ist die erste neue Deponie seit vielen Jahren. Geplant, gebaut und betrieben von der vor Ort ansässigen HTS Landschaftsgestaltungs GmbH.

Holdings im Frankfurter Bankenviertel und in Charlottenburg

Die neuen Besitzverhältnisse sind verschachtelt. Die Firma wurde Ende August übernommen. Laut Handelsregister gehört sie jetzt zu knapp 95 Prozent einer Beteiligungsgesellschaft in Frankfurt am Main. Diese nennt sich HTS Holding GmbH. Als deren Geschäftsanschrift ist die Adresse einer internationalen Anwaltskanzlei im Bankenviertel der Mainmetropole angegeben.
Die HTS Holding ist aber auch nur die Tochter einer weiteren Beteiligungsgesellschaft, der B&B Kreislauf Holding. Erst hinter dieser GmbH mit Adresse im Berliner Stadtteil Charlottenburg ist zu erkennen, wem die Deponie heute gehört: Udo Müller, Mitgründer und Co-Vorstandschef des Medienkonzerns Ströer, ist alleiniger Gesellschafter der B&B Kreislauf Holding. Er hält laut Handelsregister 100 Prozent der Geschäftsanteile.
Bislang ist Udo Müller nicht dafür bekannt, dass er vom Müll-Geschäft viel versteht. Sein Geld verdient der Multi-Millionär auf dem Werbemarkt und mit Investitionen im Internet. Spekuliert der Ströer-Chef jetzt auch auf volle Müll-Laster?

Streit um Kaufpreis

Weder Udo Müller noch Jay Binler, Geschäftsführer der beiden Holdings, waren für Fragen zu erreichen. Thomas Keller, Geschäftsführer der HTS Landschaftsgestaltungs GmbH in Alt Golm, wollte auf Nachfrage nichts zu dem Deponie-Deal sagen. „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen“, begründete er sein Schweigen. Noch nicht abgeschlossen? Das Handelsregister sagt etwas anderes.
Der Eigentümer-Wechsel ging offenbar nicht reibungslos über die Bühne. Käufer und Verkäufer streiten auch danach über verschiedene Modalitäten, wie aus einem Anwaltsschreiben, das muellrausch.de vorliegt, hervorgeht. Darin geht es unter anderem um die Müllmenge, die in Alt Golm abgelagert werden darf. Und um den Kaufpreis. Der lag demnach bei beachtlichen 43 Millionen Euro.
Investitionen in dieser Größenordnung sind in der Abfallwirtschaft nicht unüblich, aber auch keine Kleinigkeit. Wenn, dann sind es große Entsorgungskonzerne, die so viel Geld, etwa für Recycling- und Müllverbrennungsanlagen,…