Unternehmer zahlt „guten Preis“ für illegale Mülldeponie (update 23.10.18)

Rund 120.000 Quadratmeter Land haben in dem Ort Vogelsdorf bei Berlin den Besitzer gewechselt. Was diesen Immobiliendeal besonders macht: Auf dem Grundstück befindet sich eine der größten illegalen Mülldeponien des Landes Brandenburg.

Diese illegale Deponie in Vogelsdorf bei Berlin hat einen neuen Eigentümer. Wer der Mann ist, der dafür offenbar auch noch Geld bezahlt hat, erfahren Sie in diesem Text. Mit einem Klick auf das Bild werden Sie zur Web-Karte mit allen bekannten illegalen Abfalllagern und schwarzen Deponien im Bundesland Brandenburg weitergeleitet.

Auf dem ehemaligen LPG-Gelände in Vogelsdorf (Landkreis Märkisch-Oderland) modern verrottete Folien, Kabelreste, Plastikmüll, Schutt und andere Abfälle von Baustellen vor sich hin. Darunter sind auch gefährliche Materialien wie Asbest und künstliche Mineralfasern. Außerdem alte Reifen und Hausmüll. Insgesamt mehr als 80.000 Tonnen Dreck, was dem jährlichen Abfallaufkommen einer mittelgroßen deutschen Stadt entspricht.

Seit Jahren wird darüber gestritten, wer diese illegale Deponie beseitigen muss. Das Land, die Gemeinde, der Grundstückseigentümer – alle weigern sich. Die Firma, die den Abfall hier in den 1990er Jahren angehäuft hat, kann es schon lange nicht mehr. Sie ist längst pleite.

Die Kosten für die Komplettentsorgung belaufen sich einem Gutachten zufolge auf bis zu zwölf Millionen Euro.

 

Zuletzt war das Entsorgungsunternehmen „Becker + Armbrust“ als Investor im Gespräch. Jetzt ist das Grundstück verkauft – an einen anderen und „zu einem guten Preis“, wie der alte Eigentümer auf Nachfrage erzählt. Zu welchem Preis genau – das sagt er nicht, fügt aber noch hinzu: „Ich bin froh, dass ich das Grundstück los bin.“

Neuer Besitzer ist ein Geschäftsmann aus Sachsen. Doch wer ist der Mann, der für eine illegale Deponie offenbar auch noch Geld bezahlt? Und: Was hat er mit den Dreckbergen vor?

Sein Name ist Andreas Reissner. Er ist einer von drei Brüdern. Alle drei machen Geschäfte – mit Müll und mit Rohstoffen. Die Wurzeln der Familie liegen in Baden-Württemberg. Ihr Vater hat seit Mitte der 2000er Jahre in Sachsen ein kleines Firmenimperium aufgebaut. Seine Söhne studierten derweil in Nordamerika. Inzwischen leiten sie eigene Unternehmen.

„Andreas Reissner gehören mehrere Unternehmen.“ Das erzählt Stephan Trutschler, einst Journalist und heute Sprecher der Familie Reissner. Andreas Reissner stand selbst nicht für ein Gespräch zur Verfügung. Zu Vogelsdorf erfährt man nur: „Es sind Gespräche mit der Gemeinde geplant.“ So viel sagt Ex-Journalist Trutschler. Mehr kann oder darf er nicht verraten.

„Becker + Armbrust“ – so viel ist bekannt – wollte den Betrieb in Vogelsdorf wiederbeleben, neuen Abfall ranschaffen, sortieren und recyceln, dafür den alten Dreck über die Jahre abbauen. Sehr gut möglich, dass Andreas Reissner ähnliche Pläne schmiedet.

Schon einmal wollte ein Entsorgungsunternehmen den Standort auf Vordermann bringen. Statt, wie mit der zuständigen Umweltbehörde des Landes abgestimmt, die Müllberge zu verkleinern, türmte der neue Betreiber jedoch weiter auf. Das war zwischen 1999 und 2002. Danach verabschiedete sich auch diese Firma in die Insolvenz.

Zwei Dinge sind an dem Grundstück in Vogelsdorf attraktiv – trotz der Müllberge: die Nähe zu Berlin sowie die verkehrsgünstige Lage, direkt an der B1 und nur wenige hundert Meter von der Auffahrt zur A 10 entfernt. Abfalltransporte sind schnell da und auch schnell wieder weg.

(Update 23.10.2018) Jetzt ist es offiziell: Der neue Eigentümer möchte an dem Standort in Vogelsdorf eine Abfallbehandlungsanlage errichten. Das geht aus der gestern veröffentlichten Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage (pdf) hervor. Er will diese genehmigungsbedürfte Anlage auch betreiben – und „in diesem Zusammenhang die bestehenden Abfallmengen zurückbauen“, wie die Regierung in Potsdam weiter berichtet. Am Rande erwähnt sie auch, was der Rückbau voraussichtlich kosten wird: 19 Millionen Euro. Das sind schlappe sieben Millionen mehr als bislang kalkuliert. Doch die Finanzierungsfrage wäre nicht mehr das Problem Brandenburgs. Einzige Voraussetzung: Der neue Eigentümer bekommt seine Anlage. „Dem Land würden bei erfolgreicher Umsetzung keine Kosten entstehen“, teilt Potsdam mit.

ABS Bau Entsorgung und Recycling (Text)